• WIE IM HIMMEL

    FOTOARBEITEN VON GERD W. GÖTZENBRUCKER

DEM HIMMEL SO NAH

In der Kirche „Zum Heiligen Borromäus“ entfaltet sich mit der Ausstellung „Wie im Himmel“ ein raumgreifendes, sinnlich erfahrbares Gesamtkunstwerk, das Architektur, Fotografie und Spiritualität in einen stillen Dialog setzt. Der sakrale Ort selbst wird dabei nicht nur zum Träger der Ausstellung, sondern zu ihrem eigentlichen Resonanzkörper: Die Kirche, die seit ihrer Errichtung als Ort des Übergangs, der Erinnerung und der Transzendenz gedacht ist, wird zur Bühne für einen Blick, der sich konsequent nach oben richtet – dorthin, wo sich in der Geschichte der europäischen Baukunst das Irdische und das Himmlische berühren.

Die Ausstellung zeigt elf großformatige Fotoarbeiten der eindrucksvollsten Kirchenkuppeln Europas. Die Auswahl vereint romanische, gotische und barocke Raumkonzepte und macht die Vielfalt europäischer Sakralarchitektur sichtbar – von klar strukturierten Gewölben bis hin zu illusionistischen, farbintensiven Kuppelmalereien.

„Wie im Himmel“ macht den Kirchenraum neu erlebbar.

ARCHITEKTUR ALS ERFAHRUNG

Die gezeigten Werke führen zu einigen der bedeutendsten Kuppelräume Europas und eröffnen eine visuelle Reise durch unterschiedliche Epochen und Ausdrucksformen sakraler Baukunst. Diese Auswahl vereint romanische, gotische und barocke Raumkonzepte und macht die Vielfalt europäischer Sakralarchitektur sichtbar – von klar strukturierten Gewölben bis hin zu illusionistischen, farbintensiven Kuppelmalereien.

RAUM DER VERLANGSAMUNG

„Wie im Himmel“ versteht sich als Gegenentwurf zu einer beschleunigten Gegenwart. Die Ausstellung schafft einen Raum der Konzentration, der Stille und der bewussten Wahrnehmung. Sie lädt dazu ein, den Blick zu verlangsamen, sich auf Architektur einzulassen und einen Moment der inneren Sammlung zu erleben. Gleichzeitig aktiviert das Projekt einen bedeutenden sakralen Ort in Wien neu und eröffnet einen niederschwelligen Zugang zu zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum.

KÜNSTLERISCHE INTENTION

Eine wesentliche, fast intime Dimension der Ausstellung erschließt sich erst durch die Arbeitsweise des Fotografen selbst. Alle gezeigten Aufnahmen sind nicht aus der üblichen Perspektive des stehenden Betrachters entstanden, sondern aus einer radikal anderen Haltung heraus: liegend, direkt unter der Kuppel, mit dem Blick senkrecht nach oben gerichtet. Diese Perspektive überträgt eine körperliche Erfahrung in das Bild und eröffnet eine neue Form der Architekturfotografie.

WERKSCHAU WIE IM HIMMEL

WIE IM HIMMEL

01

Die Kuppel der Borromäuskirche / WIEN

Die monumentale Kuppel der Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus markiert den architektonischen Höhepunkt des Wiener Zentralfriedhofs und ist ein herausragendes Zeugnis des europäischen Jugendstils. Zwischen 1908 und 1911 nach den Plänen von Max Hegele errichtet, definiert der Bau mit einer Außenhöhe von fast 60 Metern die Silhouette des Areals. Das Innere der Kuppel offenbart eine visionäre Raumkunst: Ein tiefblaues Mosaik-Himmelszelt, besetzt mit exakt 999 goldenen Sternen, überwölbt den Sakralraum und symbolisiert die Unendlichkeit und Hoffnung.

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02

Die Kuppel des Kaiserdoms / AACHEN

Die Kuppel des Aachener Doms ist ein architektonisches Monument von welthistorischer Bedeutung und das Herzstück der Pfalzkapelle Karls des Großen. Um das Jahr 800 vollendet, war dieser achteckige Bau für Jahrhunderte der höchste Gewölbebau nördlich der Alpen. Das gewaltige Kuppelmosaik im Inneren zeigt die thronende Christusgestalt, umgeben von den 24 Ältesten der Apokalypse – ein goldenes Abbild des Himmlischen Jerusalems. Während das ursprüngliche Mosaik über die Jahrhunderte verloren ging, wurde die heutige Pracht Ende des 19. Jahrhunderts auf Basis historischer Beschreibungen in venezianischer Mosaiktechnik neu erschaffen.

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03

Die Kuppel der St.-Stephans-Basilika / BUDAPEST

Die Kuppel der St.-Stephans-Basilika ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der ungarischen Hauptstadt und ein Triumph der neoklassizistischen Baukunst. Mit einer beeindruckenden Höhe von 96 Metern – exakt identisch mit dem Budapester Parlamentsgebäude – symbolisiert sie das Gleichgewicht zwischen Kirche und Staat in Ungarn. Nach einem dramatischen Einsturz während der Bauphase im Jahr 1868 wurde die heutige Konstruktion unter der Leitung von József Hild und Miklós Ybl vollendet. Das Innere der Kuppel offenbart ein prächtiges Mosaik-Ensemble.

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04

Das Gewölbe der St. Peter-Kathedrale / EXETER

Das Deckengewölbe der Kathedrale von Exeter ist ein einzigartiges Juwel der englischen Gotik (Decorated Style) und gilt als das längste ununterbrochene mittelalterliche Gewölbe der Welt. Anders als die monumentalen Kuppeln in Wien oder Budapest, ruht der „Himmel“ von Exeter auf einer filigranen Struktur aus unzähligen Sandsteinrippen. Von den Kapitälen der Bündelpfeiler fächern sich die Rippen wie Palmwedel aus und spannen sich über das gesamte Hauptschiff. Dieses architektonische Meisterwerk aus dem 14. Jahrhundert erzeugt eine unvergleichliche Dynamik: Der Blick wird nicht in ein zentrales Zentrum gezogen, sondern entlang einer rhythmischen Fluchtlinie durch die gesamte Länge der Kathedrale geleitet.

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05

Die Kuppel von St. Gereon / KÖLN

St. Gereon sprengt die klassischen Formen des Kirchenbaus. Das Herzstück der Basilika ist das Dekagon, ein zehneckiger Zentralbau, dessen Fundamente auf einem römischen Prachtbau aus dem 4. Jahrhundert ruhen. Im 13. Jahrhundert wurde dieses antike Mauerwerk spektakulär aufgestockt und mit einem der kühnsten Gewölbe der Epoche gekrönt. Mit seiner elliptischen Form und einer Spannweite von fast 20 Metern war das Dekagon von St. Gereon zeitweise der größte Kuppelbau des Abendlandes zwischen der Hagia Sophia und dem Dom von Florenz. Die Architektur wirkt wie eine steinerne Krone, deren zehn Seiten von hohen, schlanken Lanzettfenstern durchbrochen werden, die den Raum in ein mystisches Licht tauchen.

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Die (Schein-)Kuppel der Jesuitenkirche / WIEN

Die Jesuitenkirche beherbergt eines der faszinierendsten Rätsel der Wiener Barockkunst. Wer im Kirchenschiff nach oben blickt, sieht eine gewaltige, prachtvoll verzierte Kuppel, die sich scheinbar tief in den Himmel wölbt. Doch die Architektur trügt: Die Kuppel existiert physisch nicht. Es handelt sich um ein flaches Deckengemälde, das durch die meisterhafte Anwendung der Zentralperspektive (Quadraturmalerei) eine perfekte dreidimensionale Tiefe vortäuscht. Der Jesuitenpater und Maler Andrea Pozzo schuf dieses Werk um 1703 und verwandelte die flache Decke in ein triumphales Tor zum Himmel, das die Grenze zwischen Realität und Vision vollständig auflöst.

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07

Die Kuppel von St. Stephan / PASSAU

Die Kuppel des Passauer Doms ist ein Meisterwerk des italienischen Hochbarocks auf deutschem Boden. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1662 schuf der Architekt Carlo Lurago diesen monumentalen Vierungsbau, der die gewaltige Dimension des Doms krönt. Mit ihrer achteckigen Grundform und der eleganten, weithin sichtbaren Laterne bildet die Kuppel das optische Zentrum des Kirchenraums. Sie ist ein Triumph der Vertikalität: Durch acht riesige Fenster flutet das Licht in den Altarraum und lässt die weiße Pracht des Stuckhimmels in einer fast überirdischen Helligkeit erstrahlen.

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Das Gewölbe der Sagrada Família / BARCELONA

Antoni Gaudí schuf in der Sagrada Família ein Gewölbe, das weltweit ohne Vergleich ist. Statt auf schwere Mauern und Rundbögen setzte er auf die Natur als Vorbild: Die Säulen des Mittelschiffs verzweigen sich in schwindelnder Höhe wie die Äste riesiger Bäume und stützen ein Blätterdach aus geometrisch komplexen Hyperboloiden. Diese wirken wie Lichtteller, die den Himmel öffnen, ohne eine klassische geschlossene Kuppel zu bilden. Das Gewölbe (vollendet um 2010) bündelt das Licht nicht in einem Zentrum, sondern verteilt es wie das Sonnenlicht, das durch ein dichtes Blätterdach fällt. Es ist eine Architektur, die Mathematik, Statik und Mystik zu einem lebendigen Organismus verschmilzt.

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Die Kuppel der Elisabeth-Kapelle / WIEN

Inmitten der wuchtigen, neuromanischen Mexikokirche verbirgt sich mit der Elisabeth-Kapelle einer der kostbarsten Innenräume Wiens. Die Kuppel der Kapelle ist ein glanzvolles Zeugnis der Wiener Secession und des späten Jugendstils. Über dem achteckigen Grundriss wölbt sich eine Pracht aus Goldgrundmosaiken, die den Raum in ein überirdisches, warmes Licht tauchen. Das Bildprogramm der Kuppel ist eine Hommage an die Tugenden der heiligen Elisabeth von Thüringen, dient aber gleichzeitig der Verehrung der ermordeten Kaiserin Sisi. Mit ihrer feingliedrigen Ornamentik und der flächigen Vergoldung erinnert die Kapelle an die byzantinische Pracht von San Vitale in Ravenna, übersetzt in die Formensprache der Wiener Moderne.

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10

Die Kuppel des Petersdoms / ROM

Die Kuppel des Petersdoms ist das architektonische Vermächtnis von Michelangelo Buonarroti. Als „Cupola“ dominiert sie die Skyline Roms und dient als Prototyp für unzählige Regierungs- und Sakralbauten weltweit. Mit einer inneren Scheitelhöhe von über 130 Metern erschuf Michelangelo einen Raum von solch gewaltigen Dimensionen, dass er das menschliche Maß weit übersteigt. Die doppelschalige Konstruktion aus Ziegelmauerwerk ruht auf vier gigantischen Pfeilern und wird durch eine imposante Laterne gekrönt, die das Licht wie ein göttlicher Strahl direkt in das Zentrum der Basilika, über das Grab des Apostels Petrus, leitet.

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Die Kuppel von St. Peter / WIEN

Die Peterskirche bricht mit der traditionellen Wiener Kirchenarchitektur: Anstatt eines langgestreckten Schiffes dominiert hier ein kompakter, ovaler Zentralbau, der von einer gewaltigen, grünen Patina-Kuppel gekrönt wird. Entworfen von Lukas von Hildebrandt(der auch das Schloss Belvedere schuf) und vollendet unter Matthias Steinl, ist diese Kuppel ein Meisterwerk der vertikalen Verdichtung. Da der Platz am Graben begrenzt war, bauten die Architekten in die Höhe: Die Kuppel wirkt durch ihre ovale Form und die hohe Laterne deutlich steiler und dynamischer, als es ihr äußerer Anschein vermuten lässt.

WIE IM HIMMEL

Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus
Zentralfriedhof Wien
26. – 30. Mai 2026

WIEN / AACHEN / KÖLN / PASSAU / SALZBURG / BUDAPEST / EXETER / ROM / BARCELONA

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