PETERSKIRCHE

WIEN

Ein barocker Rausch aus Licht und Gold

Etwas versteckt, hinter der dichten Verbauung der Wiener Innenstadt, entfaltet die Peterskirche beim Betreten eine imposante räumliche Weite. Die ovale Kuppel, errichtet im frühen 18. Jahrhundert (vermutlich nach Entwürfen von Johann Lucas von Hildebrandt oder unter Mitwirkung von Matthias Steinl), ist ein Meisterwerk des österreichischen Hochbarocks. Ihre grüne Kupferhaube ist ein ikonischer Teil der Wiener Skyline, doch das wahre Geheimnis offenbart sich erst beim Blick nach oben in das prachtvolle Innere.

Die Himmelfahrt Mariens: Das Fresko von Johann Michael Rottmayr

Das Herzstück der Kuppel ist das monumentale Deckenfresko von Johann Michael Rottmayr aus dem Jahr 1714. Es zeigt die Aufnahme Mariens in den Himmel. Rottmayr nutzt hier die Technik der perspektivischen Verkürzung, um die flache Wölbung der Kuppel optisch aufzureißen. Der Betrachter sieht eine Kaskade aus Wolken, Engeln und biblischen Gestalten, die in ein goldenes, überirdisches Licht im Zenit der Kuppel gezogen werden. Die Grenze zwischen Stuck, Gold und Malerei verschwimmt so vollkommen, dass die gesamte Wölbung zu atmen scheint.

Die Aura: Ein intimes Theater des Göttlichen

Unter der Kuppel von St. Peter zu stehen, erzeugt eine ganz eigene Aura: Im Vergleich zum gigantischen Petersdom in Rom wirkt dieser Raum wie ein kostbares, goldenes Schmuckkästchen. Die ovale Form der Kuppel erzeugt eine Dynamik, die den Besucher sanft umhüllt. Durch die Fenster im Tambour flutet das Licht so herein, dass der goldene Stuck und die farbintensiven Fresken in einem ständigen Spiel von Licht und Schatten vibrieren. Es ist eine Aura der Geborgenheit und zugleich der festlichen Freude – ein barocker „Himmel“, der nicht fern und unerreichbar scheint, sondern den Besucher mit seiner Pracht warm umfängt.

Lichtregie und barocke Illusion

Besonders faszinierend ist die Lichtführung in der Laterne. Das natürliche Licht fällt von oben direkt auf die Darstellung der Taube (Symbol des Heiligen Geistes) im Zentrum, wodurch ein natürlicher Scheinwerfereffekt entsteht. In der Ausstellung „Wie im Himmel“ steht die Peterskirche für den Barock als Gesamtkunstwerk: Hier werden Architektur, Skulptur und Malerei zu einer Einheit verschmolzen, um den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit zu feiern.

Zahlen & Fakten

  • Architekt: Johann Lukas von Hildebrandt (Planung), Matthias Steinl.
  • Zeitraum: Grundsteinlegung 1701, Weihe 1733
  • Maler: Johann Michael Rottmayr (erstes Kuppelfresko Wiens).
  • Bauweise: Ovale Kuppelkonstruktion mit markantem Tambour und Laterne
  • Besonderheit: Erste barocke Kuppelkirche Wiens mit ovalem Grundriss. markanter grüner Kupferhelm mit hoher Laterne
  • Restaurierung: Das Fresko wurde in den letzten Jahrzehnten aufwendig gereinigt und erstrahlt heute wieder in seiner originalen Farbkraft.
  • Epoche: Hochbarock