THE CATHEDRAL CHURCH OF ST. PETER
EXETER (DEVON)
Das längste Gewölbe der Welt
Während die anderen Exponate dieser Ausstellung durch kreisförmige Kuppelgeometrien bestechen, definiert die St. Peter-Kathedrale in Exeter den „Himmel“ durch die Horizontale. Mit rund 96 Metern besitzt sie das längste ununterbrochene gotische Fächergewölbe der Welt. Wer den Blick hebt, sieht keine isolierte Kuppel, sondern ein fließendes Band aus Stein, das sich ohne Unterbrechung vom Westwerk bis zum Chor erstreckt. Es ist ein Triumph der englischen Gotik, der die Schwere des Materials scheinbar aufhebt.
Der steinerne Palmengarten Englands
Das Geheimnis dieser beeindruckenden Optik liegt in der Komplexität des Rippenfächers. Pro Joch entspringen elf Rippen von einem einzigen Punkt an der Wand. Diese sogenannten Tiercerons fächern sich wie die Blätter einer Palme auf und treffen sich in der Mitte des Gewölbes. Es entsteht ein rhythmisches Muster, das den Blick des Betrachters unaufhaltsam durch den Raum führt – ein architektonisches Bild für die Unendlichkeit und die Richtung des Lebensweges hin zum Göttlichen.
Ein Himmel voller Skulpturen
Dort, wo die Rippen am höchsten Punkt zusammentreffen, befinden sich die prächtig verzierten Schlusssteine, Bosse genannt. Über 400 dieser handgehauenen Kunstwerke schmücken das Gewölbe. Sie zeigen eine bunte Mischung aus biblischen Szenen, Heiligen, aber auch Fabelwesen und Pflanzen. Einst leuchtend bunt bemalt, fungierten diese Schlusssteine als visuelle Ankerpunkte im „Himmel“ der Kathedrale. Besonders berühmt ist der Schlussstein im Chor, der die Ermordung von Thomas Becket darstellt – ein dramatisches Detail inmitten der himmlischen Ruhe des Gewölbes.
Licht und Schwerelosigkeit
Die Architektur von Exeter verfolgt ein klares Ziel: Die Auflösung der Wand zugunsten des Lichts. Durch die großen Fenster des Obergadens flutet Tageslicht in das Gewölbe und lässt die feinen Strukturen der Kalksteinrippen plastisch hervortreten. In den Abendstunden, wenn das Licht flacher einfällt, werfen die Rippen komplexe Schattenmuster, die das Gewölbe fast wie ein organisches, lebendiges Gebilde wirken lassen. Es ist ein Raum, der nicht einschüchtert, sondern den Geist leicht werden lässt – eine Vision des Himmels als ein Ort der Harmonie und des Schutzes.
Zahlen & Fakten
- Zeitraum: Hauptsächlich 1275–1350
- Länge des Gewölbes: ca. 96 Meter (ununterbrochen)
- Konstruktion: Rippengewölbe mit dem markanten „Tierceron“-Design (Zusatzrippen)
- Besonderheit: Der „Minstrels‘ Gallery“ – eine in das Gewölbe integrierte Galerie mit musizierenden Engeln.
- Material: Heller Salcombe-Regis-Sandstein
- Epoche: Englische Gotik (Decorated Style)

