WIEN.13 – 4. Staffel

13. April 2015 – 13. April 2016

#38: KEIN SCHÖNER LAND

Willkommen, Frühling. Du Wonne der Natur. Ich kann mich gar nicht satt sehen an deinen schönen Farben, dem satten Grün deiner Wiesen, dem seidenweichen Glanz deiner lichterfüllten Tage. In meinem Schweigen lausche ich deiner Stimme. Du sprichst vom großen Glück, vom ewigen Kreislauf und vom Innehalten im Hier und Jetzt. „Von oben strahlt das Licht, von innen quillt der Segen. Aus tausend Knospen bricht, ein neuer Frühlingsregen. Wohlauf, mein Geist, erglüh‘! Auch Du zu neuem Triebe. Frisch auf, o Seel‘, erblüh‘! Auch Du in neuer Liebe! Schau‘ mild auf das zurück, was Dir ist hingestorben. Du lebst! In Dir Dein Glück! Und leicht ist es erworben.“

BILD 38 – 13. April 2015, 13 Uhr

#39: MEHR ZEIT FÜR SICH SELBST

Zeit ist ein flüchtiger Gefährte. Eigentlich ist sie immer da, jeden Tag, 24 Stunden lang. Doch will man sich ihr mit Muße widmen, ist sie schon wieder verschwunden. Es ist einfach immer etwas zu tun. Was so knapp bemessen ist, wird kostbar. Kein Wunder, dass nun auch unsere freie Zeit zu einer besonderen Herausforderung wird: Sollte sich nicht jede Minute freie Zeit besonders lohnen? Vielleicht sollte man sich öfter dafür entscheiden, nicht das ganze Leben zu verplanen, sondern einfach einmal nichts zu tun. Und schauen, ob die Zeit dann bleibt. Müßiggang muss man sich leisten können. Man muss sich seine „Auszeit“ aber auch ohne schlechtes Gewissen gönnen. Und das tut verdammt gut.

BILD 39 – 13. Mai 2015, 13 Uhr

#40: GANZ IM TROCKENEN

Wenn man sich die Juni-Bilder der vergangenen Jahre genauer ansieht, dann fällt vor allem eines auf: Es gab zumindest immer eine Sitzgelegenheit, um am Gipfel des Roten Berges innezuhalten und – quasi erste Reihe fußfrei – Fern-zu-sehen. Nun, das hat sich in den letzten Wochen abrupt geändert, denn von meiner so geliebten Bank, ist weit und breit nichts zu sehen. Somit sind auch die Aussichten, Vier- bzw. Zweibeiner um Punkt 13 Uhr in meinen Aktionsradius zu bekommen, um einiges gesunken. Im Fokus steht einmal mehr das atemberaubende Stadtpanorama und der Wandel der Natur im Jahresverlauf.

BILD 40 – 13. Juni 2015, 13 Uhr

#41: EINE SCHÖNE BESCHERUNG

Keine Angst, noch weihnachtet es nicht. Aber dennoch fühle ich mich heute, an meinem 41. Projekttag, reich beschenkt. Nicht nur, dass sich endlich wieder jemand in meinen Aktionsradius wagt – diesmal sogar mit Hund – nein, auch die Sitzbank hat ihren angestammten Platz wiedergefunden. Der fotografische Beweis ist somit gelungen. Das Bild zeigt aber auch deutlich, dass Mensch und Natur nach Regen dürsten. Die Wolken am Horizont sind da nur ein schwacher Trost.

BILD 41 – 13. Juli 2015, 13 Uhr

#42: VERBRANNTE ERDE, KARGES LAND

Der Sommer 2015 wird wohl als bisher heißester Sommer in die Geschichtsbücher eingehen. Insgesamt fünf Hitzewellen mit Spitzen bis zu 40 Grad rollten seit Anfang Juni über das Land und haben ihre Spuren hinterlassen. Mein Projekt dokumentiert dies seit 13. Juni auf eindrucksvolle Art und Weise. Das heutige Bild wurde bei 38 Grad (wohlgemerkt im Schatten) aufgenommen, zeigt verbranntes Gras, aufgebrochene Erde und wenig Bewegung. Noch grün trotz der Hitze: das Baumkleid. Die Frage ist, wie lange noch!

BILD 42 – 13. August 2015, 13 Uhr

MISSING

KEIN BILD  – 13. September 2015, 13 Uhr

#43: ES KANN NICHT IMMER SOMMER SEIN

Auch der schönste Sommer endet einmal. Ganze vier Monate hat sich sein dunkelblauer Sonnenhimmel über unser Land gelegt, der bis tief in den September hineinreichte. Jetzt, wo ich das Projekt – nach einem Monat „Auszeit“ – wieder aufgenommen habe, zeigt sich der Rote Berg in seinem herbstlichen Gewand. Saftige Wiesen, verfärbtes Laub und Hochnebel lassen erahnen, dass sich die Natur langsam aber sicher umstellt. Auch meine Gedanken werden stiller und zugleich tiefer. So will ich den Herbst ruhig zu mir kommen lassen.

BILD 43 – 13. Oktober 2015, 13 Uhr

#44: WIEDERSEHEN MACHT FREUDE

Das kann doch kein Zufall sein. Genau in dem Augenblick, als die Glocken der Ober-Sankt-Veiter Pfarrkirche mein Projektsignal einläuten, kommt es zu einer überraschenden Begegnung mit jenem Bekannten, der bereits im April dieses Jahres am Roten Berg unterwegs war. Sogar die Jacke ist die gleiche. Das spricht auch dafür, dass die lauen November-Temperaturen jenen des heurigen, sehr milden Frühlings entsprechen. Auch der Hund des alten Herrn ist mit von der Partie, wenn auch nicht im Bild. Er ist mein vierbeiniger Liebling und Rekordhalter von WIEN.13 und wurde bereits im November 2012 abgelichtet.

BILD 44 – 13. November 2015, 13 Uhr

#45: ALLE JAHRE WIEDER

Auch wenn im fernen Paris das zukünftige Weltklima zum Wohle aller neu definiert wurde, wird das heurige Jahr als das wärmste der heimischen Messgeschichte eingehen. Und wir sprechen da vom Jahr 1768. Heuer lagen die Temperaturen um prognostizierte 1,8 Grad über dem vieljährigen Durchschnittswert. Da ist der Dezember noch nicht einmal eingerechnet. Auch meine heutigen drei Protagonist*innen dürften sich über den ausbleibenden Winter wundern und blicken bei gefühlten 15 Grad Plus dem Horizont entgegen, der alles andere als Abkühlung verspricht. Was bleibt, ist eine stille Vorfreude auf das Fest der Feste. Mit sentimentalen Erinnerungen an Väterchen Frost und Frau Holle.

BILD 45 – 13. Dezember 2015, 13 Uhr

#46: ZU HAUSE IST JEDER HUND EIN LÖWE

Laut aktueller Statistik gibt es in Wien knapp 56.000 Hunde. Das ist für eine Stadt mit nahezu 1,8 Millionen Einwohner*innen zwar ein bescheidener Anteil (in nur sieben Prozent aller Haushalte wird ein Vierbeiner gehalten), die Dunkelziffer von nicht registrierten Hunden dürfte aber astronomisch hoch sein. Wie dem auch sei, der Rote Berg ist mit Sicherheit DER HOTSPOT für aktive Zwei- und deren Vierbeiner. Und so musste ich heute meine Schritte auf den Gipfel mit Bedacht setzen, da es von herumlaufenden Hunden nur so wimmelte. Und nicht alle waren so possierlich, wie jener Sennenhund, der um exakt 13 Uhr überraschend vor meiner Linse auftauchte.

BILD 46 – 13. Jänner 2016, 13 Uhr

#47: AN TAGEN WIE DIESEN …

… wird mir wieder einmal bewusst, in welch wunderschönen und lebenswerten Stadt ich leben darf. Eigentlich sind es mit Klagenfurt ja zwei Städte, für die mein Herz schlägt. Und natürlich Venedig. Aber das ist eine andere Geschichte. An meinem siebenundvierzigsten Projekttag herrscht prachtvoller Sonnenschein. Und da dieser herrliche Februartag an einem Samstag fällt, sind dementsprechend vielen Menschen, Kinder und Hunde am Roten Berg unterwegs. Und als in der Ferne die Turmuhr zu Ober-St.-Veit das Auslösesignal einläutet, wuselt es nur so vor meiner in Stellung gebrachten Linse. Das heutige Ergebnis: Eine gar nicht geplante Postkartenidylle, mit einem wohlbekannten Protagonisten als zweiten Nebendarsteller.

BILD 47 – 13. Februar 2016, 13 Uhr

MISSING

KEIN BILD  – 13. März 2016, 13 Uhr

#48: GUT DING BRAUCHT WEILE

Das Wort Zeit ist wahrscheinlich eines der meistgebrauchten Worte unseres Lebens, wir leben mit und in der Zeit und haben dennoch keine wirkliche Vorstellung von ihr. Für mich als Fotografen bedeutet Zeit haben mitunter Stress. Schließlich will ein Auftrag, unter bestimmten Kriterien, in kürzester Zeit und zur Zufriedenheit aller, erfüllt werden. Eine besondere Herausforderung in Bezug auf sich dafür Zeit nehmen. Bei diesem Projekt verhält es sich aber anders. Anders im Sinne von: Was gut werden soll, braucht seine Zeit. Zeit ist bei WIEN.13 ein wichtiges dramaturgisches Element. Um Punkt 13 Uhr erfolgt die Aufzeichnung des Moments. Keine Sekunde vorher. Keine Sekunde später. Das ist eben der besondere Reiz – der Kick – an dieser Langzeitstudie. Ob es mit einer 5. Staffel weitergeht, hängt – wie könnte es anders sein – von meiner Eigenzeit ab. Und da bin ich grundsätzlich zuversichtlich.

BILD 48 – 13. April 2016, 13 Uhr