WIEN.13 – 5. Staffel

13. Mai 2016 – 13. Mai 2017

#49: EIN AUGENBLICK GLÜCK

Zum heutigen Beginn der 5. Staffel meiner – auf dreizehn Jahre anberaumten – Langzeitstudie, präsentiert sich der Rote Berg von seiner schönsten Seite. Saftige Wiesen und blühende Flora so weit das Auge reicht. Die Stille ist beeindruckend, die Luft erfrischend. Alles scheint, wie es immer ist. Und doch kommt es mir vor, als wäre dies nicht immer so. Als wäre die Natur heute nicht immer so still und zurückhaltend wie in diesem Augenblick. Ich blicke mich um. Weit und breit keine Menschenseele. Ich schließe die Augen und lasse mich von meinen Gedanken beflügeln. Ein intimer Moment von Glück stellt sich ein.

BILD 49 – 13. Mai 2016, 13 Uhr

MISSING

KEIN BILD  – 13. Juni 2016, 13 Uhr

#50: ZWISCHEN DEN FRONTEN

Was für ein Timing. Gerade als ich mich auf dem Weg zum Gipfel meines Hausberges machte, verzogen sich die schweren Regenwolken und die Sonne kam nach einer gefühlten Ewigkeit wieder zum Vorschein. Das heutige Panorama entstand somit in einem kurzen Sonnenfenster, denn nur wenige Minuten nach der Aufnahme wurde es schon wieder richtig ungemütlich. Aber der kurze, sonnendurchflutete Augenblick stimmt mich optimistisch, dass der Hochsommer schon bald wieder ins Land ziehen wird. Allen pessimistischen Wetterfröschen zum Trotz.

BILD 50 – 13. Juli 2016, 13 Uhr

#51: DAS GESETZ DER SERIE

Auch am dritten Projekttag in Folge präsentiert sich der Rote Berg von seiner stillen und wild-romantischen Seite. Wie schon in den Vormonaten lässt sich zur Stunde X keine Menschenseele blicken, geschweige denn Kinder, die man an einem Samstag im August am nahen Spielplatz hätte vermuten können. Alles nur Zufall oder doch das Prinzip einer sich anbahnenden Serialität innerhalb meines Projekts? Dann gab es doch noch eine kleine Überraschung. Aus einer Seitenfront lief mir plötzlich ein kleiner Hund vor die Füße, der es offenbar ziemlich eilig hatte. Zu eilig, um ihn auch als Beweis im Bild festzuhalten.

BILD 51 – 13. August 2016, 13 Uhr

#52: ERRARE HUMANUM EST

Fünf lange Jahre mussten ins Land ziehen, um eine nicht ganz unbedeutende Randerscheinung meines Projekts etwas näher zu betrachten. Denn genau genommen befindet sich mein Standort – rein topografisch gesehen – nicht am Roten Berg, sondern am 400 Meter nordöstlich gelegenen Girzenberg. Das ergab eine exakte Positionsbestimmung nach dem World Geodetic System, ausgedrückt durch die Koordinatenfolge 48° 11´ 2″ Nord, 16° 16´ 7″ Ost. Was wiederum bedeutet, dass mein Projekt eigentlich einem fatalen Irrtum unterliegt. Mir kann es jedoch recht sein. Schließlich ist dieses Projekt nun um eine charmante Facette reicher und es ändert auch nichts an meinem Vorhaben, weiterhin vom falschen Standort aus richtig schöne Bilder zu machen.

BILD 52 – 13. September 2016, 13 Uhr

#53: GROSS IST DAS LEBEN

Es gibt sie, diese Momente, in denen wir uns dem Himmel ganz nah fühlen. Solch glückselige Augenblicke kennen kein Warum. Sie entstehen aus einem besonderen Moment heraus, aus einer flüchtigen Eingebung mitunter, die einem in der Seele tief berührt und uns eine Ahnung von Himmel verleiht. In solchen Momenten ist Himmel nicht unerreichbar; in solchen Momenten ist Himmel ganz nah. Für Friedrich Nietzsche ist das Himmelreich ein Zustand des Herzens (…) nichts, was, über der Erde` ist. Himmel ist demnach nichts Abgehobenes. Manchmal ist Himmel mitten im Alltäglichen und manchmal das pure Leben selbst! Groß ist das Leben, wahr und sinnbildlich – all überall und für jedermann.

BILD 53 – 13. Oktober 2016, 13 Uhr

#54: WER ZU WEM GEHÖRT

Mit dem wohl schönsten November-Bild meiner Langzeitstudie endet eine Serie von Aufnahmen, die den Roten Berg ebenso Menschen- und Hundeleer zeigt. Manchmal zahlt es sich eben aus, Geduld zu haben. Denn die heutige Momentaufnahme überrascht mit zwei Protagonist*innen: einem Fotografen, der sich für das herrlich ausgeleuchtete Stadtpanorama zu interessieren scheint und einer jungen Frau, die auf ihn zugeht. Man könnte meinen, dass sich die beiden kennen. Vielleicht sogar ein Paar sind. Das würde das Bild suggerieren. Aber es ist dann doch ganz anders. Sekunden später laufen mir zwei Kindern und ein Hund vor die Kamera und sorgen für klare (Familien-)Verhältnisse.

BILD 54 – 13. November 2016, 13 Uhr

#55: WAS ICH MIR WÜNSCHE

Ich wünsche mir, dass Anas al-Bascha wiederkehrt und allen Kindern dieser Welt sein Lächeln schenkt. Ich wünsche mir, dass alle – in diesem furchtbaren Krieg – getöteten Kinder wiederkehren, um als Friedensstifter und Lichtbringer die Welt zu einem besseren Ort machen. Anas al-Bascha legte keinen Wert auf Selbstdarstellung, hatte kein Facebook-Profil, in dem er seine Besuche bei den Kindern dokumentierte. Nur wenige YouTube-Videos existieren von ihm als Clown in den Trümmern. Der Clown von Aleppo ist tot. Er kam bei einem Luftangriff ums Leben. Doch in unseren Herzen und in unseren Kindern wird er weiterleben! Das ist alles, was ich mir wünsche. Und ich glaube fest daran.

BILD 55 – 13. Dezember 2016, 13 Uhr

#56: SLAPSTICK AUF DER KRIECHSPUR

Fast wäre ich heute – an meinem sechsundfünfzigsten WIEN.13-Einsatz – zu spät gekommen. Das liegt aber nicht an mangelnder Disziplin oder eines schlechten Zeitmanagements, sondern an einem durchaus seltenen Wetterphänomen namens „Blitz Eis“. Nur gut, dass mich beim „Aufstieg“ keiner gesehen hat. Denn die mühsame Art der Fortbewegung durch teilweise gefrorenen Schnee führte zu ungewollten, slapstickartigen Pirouetten mit anschließenden, teilweise ausufernden Rutschpartien. Endlich „oben angekommen“ traute ich zuerst meinen Augen nicht. Völlig unerwartet traf ich auf menschliche Existenz. Doch die illustre Damenrunde ließ sich weder von meiner plötzlichen „Erscheinung“ noch von meinem Vorhaben irritieren und so wurde mein beschwerlicher Aufstieg mit einem sehenswerten Gipfelfoto belohnt.

BILD 56 – 13. Jänner 2017, 13 Uhr

#57: ANKOMMEN IM HIER UND JETZT

Der Blick vom Roten Berg im Westen der Stadt ist für mich immer noch imposant. Von hier oben erfährt man das kleine Glück von Klarheit und Präsenz. Inhaliert einen Schuss Freiheit und kommt zur Ruhe. Ich sinniere vor mich hin und nehme mir vor, nicht nur zu überlegen, was morgen richtig und gestern falsch gewesen ist, sondern vor allem, was hier und jetzt das Richtige ist. Dann erlaube ich mir, dass genau das vorerst genug sein darf. Schon ein kleiner, stiller Moment schenkt uns manchmal die ganze Fülle des Lebens.

BILD 57 – 13. Februar 2017, 13 Uhr

#58: RUNNER’S HIGH(T)

Achtundfünfzig Projekttage mussten ins Land ziehen, um endlich einen laufenden Gipfelstürmer vor meine Linse zu bekommen. Das ehemalige Eldorado für Ausdauersportler*innen hat sich in den letzten Jahren mehr und mehr zu einem Hundeparadies entwickelt. Für Läufer*innen ein mitunter sehr gefährliches Terrain, auch wenn die, von allen Seiten heranzischende Vierbeiner eigentlich eh sehr lieb sind. Aber im Weg sind sie allemal und eine Diskussion mit den erstaunten Hundeführer*innen lohnt sich nicht wirklich. Wie es aber gehen könnte, veranschaulicht mein heutiger Vorzeigesportler. Dieser hat sich seinen Wauwau flankierend zur Seite gestellt und kann so seinem Runner‘s High genüsslich entgegenlaufen.

BILD 58 – 13. März 2017, 13 Uhr

MISSING

KEIN BILD  – 13. April 2017, 13 Uhr

#59: UND DER SOMMER KANN KOMMEN

Wir müssen uns noch ein Weilchen gedulden, aber die Vorfreude auf den Sommer ist trotzdem schon da. Alles sprießt, gedeiht, wächst und die Natur verschenkt sich in einem üppigen Blütenmeer und ihren Düften. Die Laubdächer der Wälder schließen sich langsam, nie wieder im Jahr ist das Grün der Blätter so intensiv. Rosskastanien entfalten ihre Blütenkerzen, umschwärmt von Hummeln und Bienen. Und in den blühenden Hecken tummeln sich Vögel und bauen ihre Nester. Und wo es so üppig blüht und duftet, hat auch die Sehnsucht ein Ende.

BILD 59 – 13. Mai 2017, 13 Uhr