WIEN.13

Bilder, welche Du gemacht hast, haben Einfluss auf die, welche Du machen wirst. So ist das Leben!
John Sexton

Der Blick vom Roten Berg im 13. Wiener Gemeindebezirk zählt zu den schönsten und spektakulärsten Panoramen der Stadt. 13 Monate lang rückte dieser besondere Wienblick in den Fokus der Fotostudie WIEN.13. Dabei entstanden im Laufe eines Jahres – unverfälscht und ungeschönt – einzigartige Momentaufnahmen von Wien. Im Fokus von WIEN.13 stand der Augenblick, der exakt getimte Moment der Aufnahme, der – bei vorgegebener Blende 13 – am jeweils 13. Tag des Monats um exakt 13 Uhr vom gleichen Standort aus erfolgte. Eine fotografische Gratwanderung, bei der ein Mix von Perfektion, Kunstfertigkeit und Zufall Regie führte.

Jede Aufnahme ist ein Unikat, fernab jeder Postkartenromantik und verschönernder Retusche. Was abgebildet wird, ist echt und real, wirkt nüchtern und unverfälscht. Ein fotografisches Dokument einer, sich im Laufe der Jahre verändernde Symbiose von Großstadt und Natur.

#01: ALLEIN IM HIER UND JETZT

Stille und eine wohlige Ruhe begleiten mich beim Projektstart am Roten Berg. Dass es ein besonderer Tag werden würde, stand für mich bereits im Vorfeld fest. Wie fühlt es sich aber an, exakt um 13 Uhr auf den Auslöser zu drücken? Ich spüre, dass am heutigen 13. Jänner etwas Außergewöhnliches in der Luft liegt. Es riecht nach Schnee. Noch ist nichts zu sehen. Aber die Wolken werden dichter, das Licht wechselt mit jeder Minute. Mit Spannung erfolgt der Moment der Aufnahme. Ich genieße die Ruhe, schließe kurz meine Augen und nehme den Ort in meinem Inneren wahr, visualisiere den Moment im Hier und Jetzt. Ich packe meine Sachen und ziehe heimwärts. Es beginnt zu schneien. Zum ersten Mal in diesem Winter. Welch herrliches Gefühl.

BILD 01 – 13. Jänner 2012, 13 Uhr

#02: ÜBER DEN DÄCHERN DER STADT

Eisige Kälte und die Vorfreude auf mein zweites WIEN.13-Bild begleiten mich auf den Roten Berg. Gut, dass ich mir ein wenig die Zeit eingeteilt habe, denn der rote Markierungspunkt liegt unter einer knapp 10 Zentimeter dicken Schneeschicht. Nach erfolgreicher Suche kommt der technisch anspruchsvolle Teil: Stativ aufbauen und den exakten Bildausschnitt einrichten. So, alles erledigt. Nur noch die Blendenzahl auf 13 stellen und 10 Minuten auf den Moment des Auslösens warten. Auch heute ist alles ruhig. Kein Mensch weit und breit. Und dann, um Punkt 13 Uhr, erhellt ein zarter Sonnenstrahl eine Häuserzeile im fernen Penzing. Was für eine Stimmung.

BILD 02 – 13. Februar 2012, 13 Uhr

#03: VORFREUDE AUF DEN FRÜHLING

Obwohl es heute in Wien stark bewölkt ist, kommt diesem Tag eine besondere Bedeutung zu. Er steht für eine meteorologische Wende. Ab morgen wird der Himmel strahlend blau sein, mit Temperaturen über 20 Grad. Zum Zeitpunkt der Aufnahme meines dritten WIEN.13.-Bildes kann man den Wetterumschwung bereits erahnen. Das Licht ist zart violett-blau und „seidenweich“. Das Stadtpanorama wird somit gleichmäßig und mit diffusem Licht ausleuchtet. Auch heute ist keine Menschenseele zu sehen. Und doch, ich bin nicht allein. Der Frühlingsgesang der Vögel ist allgegenwärtig und hallt weit über die fernen Dächer der Stadt.

BILD 03 – 13. März 2012, 13 Uhr

#04: FRÜHLINGSERWACHEN

Das Warten hat sich gelohnt, denn an meinem vierten Projekttag gab es nicht nur den erhofften Sonnenschein, sondern auch eine große Menge an Bewegung im Bild. Kinder, Hunde und Spaziergänger*innen nutzten die Gunst der Stunde und bevölkerten den „Gipfel“ des Roten Berges zur Primetime. Und so kam es, dass exakt um 13 Uhr nicht weniger als fünf Personen und zwei Hunde mein Sichtfeld kreuzten und Teil einer spannenden Bildkomposition wurden. Wer gehört zu wem, was erzählt sich das Paar auf der Bank und wie wird der Deutsche Pinscher auf den herannahenden Schoßhund reagieren? Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte.

BILD 04 – 13. April 2012, 13 Uhr

#05: KEIN TAG WIE JEDER ANDERE

Wenn der Zufall Regie führt! Das Projekt hat an seinem 5. Tag eine dramaturgische Wende erfahren. Genau vor einem Monat, zur selben Zeit, saß der gleiche Mann auf der Bank. Auch diesmal begleitet von seinem treuen Pinscher. Dieser ist zwar diesmal nicht im Bild, dafür aber ein weiterer Gesprächspartner sowie ein junges Mädchen – voraussichtlich die Tochter des mysteriösen Mannes. Auch die Sitzbank wurde im Laufe eines Monats um gut drei Meter nach links „versetzt“, es tut sich also einiges am Roten Berg. Man darf somit gespannt sein, ob der Zufall in den Sommermonaten für weitere Überraschungsmomente sorgt.

BILD 05 – 13. Mai 2012, 13 Uhr

#06: DOPPELT HÄLT BESSER

Kalt, windig und keine Spur von sommerlichen Temperaturen. Am 6. Projekttag gibt es keine besonderen Geschichten zu erzählen. Zumindest was die üblichen verdächtigen Protagonisten anbelangt. Dafür zeigt sich ein schön ausgeleuchtetes Stadtpanorama. Die ruhige Stimmung trügt, denn der Wind treibt auch ein paar Regentropfen vor sich her und lässt mein Stativ gefährlich schwanken. Erst jetzt bemerke ich, dass eine zweite Sitzbank mein gewohntes Sichtfeld irritiert. Ein Stillleben der besonderen Art. Man darf also weiter gespannt sein.

BILD 06 – 13. Juni 2012, 13 Uhr

#07: EIN BILD VON TRAURIGKEIT

Wo ist sie nur, wo? Und das an einem 13. – an einem Freitag noch dazu. Meine geliebte Bank ist entwendet worden, wenn nicht sogar gestohlen! Ich rufe hiermit alle ehrlichen Finder auf, die Sitzbank wieder an ihren gewohnten Platz zu stellen. Wo kommen wir denn dahin, wenn sich jeder eine öffentliche Sitzgarnitur einverleibt, noch dazu eine in bester Lage! Vor lauter Aufregung habe ich fast vergessen, auf den Auslöser zu drücken. Das Ergebnis sieht diesmal dementsprechend traurig aus: keine Bank, keine Menschen, nicht einmal ein Hund. Und das Wetter: nach zwölf Tropentragen jenseits der 30 Grad, nichts als Regen. Das freut zwar die Natur. Mich aber lässt der Rote Berg heute buchstäblich im Regen stehen.

BILD 07 – 13. Juli 2012, 13 Uhr

#08: IM ZEICHEN DER LIEBE

Was für ein Moment! An meinem 8. Projekttag umarmt sich eine romantisch und sichtlich spontan veranlagte Frau mit ihrem Lover just in dem Moment, wo ich auf den Auslöser drücke. Der Szenerie mutet dermaßen inszeniert an, dass sie im Rahmen dieses Projektes beinahe surreal wirkt. Aber der Moment im Hier und Jetzt schreibt seine eigenen Geschichten. Alles ist vorbereitet für ein Picknick in trauter Zweisamkeit. Der Korb im Gras lässt dies vermuten. Aus Rücksicht auf das junge – und vielleicht heimliche – Glück verzichte ich diesmal auf ein Stativ und bleibe somit unbemerkt im Hintergrund.

BILD 08 – 13. August 2012, 13 Uhr

#09: DIE RUHE VOR DEM STURM

Und wieder einmal steht die 13 für eine meteorologische Wende. Mit dem heutigen Tag hat sich der Sommer wohl endgültig aus der Stadt verabschiedet. Die mächtige Wolkenbank lässt nichts Gutes erahnen. Ist sie ein Vorbote für einen dauerhaften Wetterumschwung? Stehen die Zeichen auf Sturm? Der Rote Berg, in den letzten Wochen ein begehrter Sommerhotspot, wirkt an meinem neunten Projekttag wie im Dornröschenschlaf, mit atemberaubendem Fernblick. Ich nutze die Gelegenheit für eine stille Meditation und ziehe gedankenverloren – und von einer Windböe getragen – von dannen.

BILD 09 – 13. September 2012, 13 Uhr

#10: DEM HIMMEL SEI DANK

An meinem zehnten Projekttag gibt es ihn endlich, den blau-strahlenden Himmel. Und das Stadtpanorama kann sich heute wahrlich sehen lassen, alles scheint zum Greifen nah. Um mich wimmelt es von freudigen Menschen und vergnügt spielenden Kindern. Auch Hunde lassen ihrem Temperament, mitunter getrieben von einem dringenden Bedürfnis, freien Lauf. Es grenzt an ein Wunder, dass mir kein Vierbeiner vor die Linse läuft. Und die Bank? Die ist zwar vorhanden, steht aber heute im Abseits. So weit, so gut.

BILD 10 – 13. Oktober 2012, 13 Uhr

#11: AUF DEN HUND GEKOMMEN

Jetzt hab’ ich ihn. Den eindeutigen Beweis dafür, dass der Rote Berg mehr und mehr von Hunden „eingenommen“ wird. Nicht, dass ich gegen unsere lieben Vierbeiner etwas hätte. Aber es ist schon erstaunlich, wie sich ein ehemaliges Läufer- und Mountainbike-Eldorado in Wiens größte Freilaufwiese für Jagd- und Schoßhunde aller Art verwandeln konnte. Das spiegelt auch das „Kräfteverhältnis“ bei meinem heutigen Lokalaugenschein wider, das klar zuungunsten sportlicher Zweibeiner ausfällt. Da ist nämlich weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Ob das am Wetter liegt? Oder an der Tatsache, dass es sich um einen ganz gewöhnlichen Arbeitstag handelt.

BILD 11 – 13. November 2012, 13 Uhr

#12: VORFREUDE AUF WEISSE WEIHNACHTEN

Mit einem wunderschönen Stadtpanorama bei glasklarer Luft und blauem Himmel verabschiedet sich das WIEN.13-Projekt ins Neue Jahr. Ein perfektes Bild, um den jungen Mann auf der Bank und all jenen, die das Projekt verfolgen, eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch zu wünschen. Auch für mich neigt sich ein ereignisreiches Jahr dem Ende entgegen, mit erfreulichen Aussichten: Nur noch ein Bild trennen mich vom Projektende. Aber wer weiß, vielleicht gibt es ja die eine oder andere fotografische Zugabe.

BILD 12 – 13. Dezember 2012, 13 Uhr

#13: WEHLEID WIE IM LEBEN

Das finale Bild meines einjährigen Projektes reflektiert perfekt meinen inneren Zustand. Ein wenig Melancholie, durchsetzt mit einer Brise Wehleid und einem getrübtem Sichtfeld, dass eine differenzierte Wahrnehmung nicht zulässt. Heute, am Tag der Tage, zum letzten Abdruck hin, erscheint das Vertraute grau, fern und kalt. Aber der Rund-um-Blick geht mir dennoch tief unter die Haut. Es ist wie im Leben. Die Sehnsucht nach dem Jetzt offenbart sich im Moment. In der steten inneren Momentaufnahme des nicht vorhersehbaren. Diese Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt, dass mich an 13 Tagen um jeweils 13 Uhr hierher, auf die Anhöhe des Roten Berges im 13. Bezirk geführt hat. Am letzten Tag meiner fotografischen Studie, hat sich mein Blick für das Wesentliche geschärft, bestehend aus 13 Einzelteilen, die sich im Laufe eines Jahres zu einem Gesamtbild zusammengefügt haben. Es ist vollbracht. Ich ziehe heimwärts und bin glücklich es geschafft zu haben, wohl wissend: auch der morgige Tag wird sein. Einmal oder vor langer Zeit.

BILD 13 – 13. Jänner 2013, 13 Uhr

DAS BUCH ZUM PROJEKT

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Limited Edition 2023. 252 Seiten. 99 Projektfotos und Texte. Preis: 25 Euro (exkl. Porto)

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