WIEN.13 – 3. Staffel

13. März 2014 – 13. März 2015

#26: EIN PERFEKTER EINSTAND

Die 3. Staffel meiner fotografischen Gratwanderung startet bei herrlichem Sonnenschein und Temperaturen an der 20 Grad Marke. Apropos Marke: Meine vor drei Jahren in den Boden gerammte Markierungs-Marke ist längst überwachsen und somit nicht mehr auffindbar. Der Bildausschnitt wird somit intuitiv festgelegt. Eine kleine Abweichung vom strengen Regelwerk meiner Langzeitstudie. Und da ich heute auch mein Stativ daheim gelassen habe, wird das Projekt mehr und mehr von Ballast befreit. Was bleibt, ist der exakte Zeitpunkt der Aufnahme. Und diese lässt uns im astronomischen Spätwinter gar von sommerlichen Gefilden träumen.

BILD 26 – 13. März 2014, 13 Uhr

#27: ALLEIN IM RERGEN (ODER DOCH NICHT?)

Wenn ein Projekttag auf einen Sonntag fällt, ist die Vorfreude auf ein „belebtes“ Bild dementsprechend groß. Das zeigen auch die bisherigen drei Sonntagsstudien meines Projektzyklus vom Roten Berg. Doch heute scheint alles anderes zu sein. Ob das mit dem gerade einsetzenden Regen, der österlichen Palmweihe oder dem Vienna City Marathon zu tun hat, sei dahingestellt. Aber eigenartig ist es schon, wenn man einen von Hund, Mensch und Kids völlig vereinsamten Ort vorfindet. Wäre da nicht jene, eindeutig menschliche Gestalt, die sich, nach beschwerlichem Gipfelsturm, just um 13 Uhr in meinen Fokus müht.

BILD 27 – 13. April 2014, 13 Uhr

#28: MEHR WEITSICHT

Um das Erleben und Begreifen der Natur zu ermöglichen, braucht es vor allem Geduld und viel Zeit. Sich mit all seinen Sinnen auf das Hier und Jetzt einzulassen, bedarf aber auch einer besonderen Leidenschaft zur inneren Einkehr. Und zu einer uneingeschränkten Neugierde für diesen besonderen Moment. Heute, an meinem achtundzwanzigsten Projekttag, wird mir bewusst, welch großes Geschenk ich mir selbst gemacht habe. So ist es dann auch nicht (ganz) so wichtig, was um 13 Uhr am Roten Berg passiert. Vielmehr genieße ich meine kurze Auszeit vom hektischen Alltag. Blicke in die Ferne und komme zu dem Schluss: Je mehr Weitsicht wir haben, desto genauer erkennen wir die Tragweite unserer Entscheidungen.

BILD 28 – 13. Mai 2014, 13 Uhr

#29: UNBERÜHRTES LAND

Ein blauer, mit Wolken gemischter Himmel legt eine friedvolle Stimmung über die Stadt und himmlische Schatten reisen über weite Flächen von (nahezu) unberührten Land. Ein visionärer Gedanke macht sich in mir breit, dem Raum und Zeit gegeben werden muss. Und so setzte ich mich, nach getaner fotografischer Arbeit, auf die Bank und hänge meinem halluzinatorischen Tagtraum vom unberührten Land weiter nach. Manchmal sind es gerade diese flüchtigen Momente der inneren und äußeren Verbundenheit, die in der Erinnerung lebendig bleiben.

BILD 29 – 13. Juni 2014, 13 Uhr

#30: IM AUFTRAG DES HERRN

Mit dem wohl spektakulärsten WIEN.13-Bild seit Projektbeginn vor nunmehr 30 Monaten, verabschiede ich mich in die wohl verdiente Sommerpause. Die Freude über das heutige Ergebnis ist dementsprechend groß, nicht nur das Zusammenspiel von Licht und Farbe gefällt, auch die Anordnung und Gestik der abgelichteten Akteure gibt der Szenerie eine besondere, atmosphärische Dichte. Dass ich von der erlesenen Junggesellen-Runde gar nicht wahrgenommen wurde, verleiht dem sonntäglichen Kammerspiel noch eine zusätzliche Dimension. Und so werde ich ungewollt zum Voyeur eines rätselhaften Mormonen-Treffens hoch über den Dächern von Wien.

BILD 30 – 13. Juli 2014, 13 Uhr

#31: „O CAPTAIN! MY CAPTAIN!“

Robin Williams hat der Welt viele großartige Filmmomente hinterlassen. Einer davon: der Monolog auf einer Parkbank in „Good Will Hunting“, der mit den Worten endet: Your move chief, übersetzt etwa: Du bist dran, Junge. Und so steh auch ich, an meinem 31. Projekttag, unweit „meiner“ Parkbank und deklamiere im Stillen meinen Nachruf an den großen Robin Williams: Oh ich, oh Leben! Auf alle dies wiederkehrenden Fragen. Auf diesen unendlichen Zug der Ungläubigen, auf die Städte, die voller Narren sind. Was habe ich darauf für eine Antwort – oh ich, oh Leben? Dies aber ist die Antwort: Du bist hier, damit das Leben blüht und die Persönlichkeit. Damit das mächtige Spiel weitergeht und du deinen Vers dazu beitragen kannst. (John Keating alias Robin Williams rezitiert einen Vers von Walt Whitman in Der Club der toten Dichter).

BILD 31 – 13. August 2014, 13 Uhr

MISSING

KEIN BILD  – 13. September 2014, 13 Uhr

#32: IM GRÜNEN BEREICH

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Auch in der dritten Staffel von WIEN.13 fehlt zumindest ein Bild. Ein Stück vom Jahreszyklus, ein Stück vom Ganzen. Aber auch diesmal wird an der Fortführung der Langzeitstudie festgehalten. Und das mit ruhigem Gewissen. Denn gerade durch die Unvollständigkeit der Bildabfolge ergibt sich für mich ein neuer künstlerischer Ansatz. Ein neues dramaturgisches Ausdrucksmittel, das mit dem „Reiz des fehlenden Bildes im Jahresablauf“ kokettiert. Soviel dazu. Was bleibt und was ist, wird dominiert von einem satten Spätsommer-Grün, während das ferne Stadtpanorama langsam im Nebel versinkt.

BILD 32 – 13. Oktober 2014, 13 Uhr

#33: WILLKOMMEN, NOVEMBER

Vorfreude erwacht, kindliches Staunen, das mit großen Augen auf die Lichter schaut, die nach und nach die Fenster der Vorstadt erleuchten. Schon erahne ich die ersten Schneekristalle, die auf meiner Nasenspitze schmelzen und mit der Zunge fahre ich über die Lippen, um den Winter zu schmecken. Noch aber, ist es nicht so weit. Noch zeigt sich die Welt im überraschend farbenfrohen Novemberkleid. Willkommen, November, ich mag dich und deine Eigenheiten. Dein Geruch ist ausgeprägt in meiner Erinnerung: Wie liebe ich den Duft des Laubes. Das Rascheln unter meinen Füßen singt mir ein Lied und ganz leise klingen schon die Glocken des Advents mit.

BILD 33 – 13. November 2014, 13 Uhr

#34: MELE KALIKIMAKA!

Keine Angst. Soweit ist es noch nicht, dass wir uns auf hawaiianische Temperaturen zur Weihnachtszeit einstellen müssen. Auch Waldviertler Weihnachtsbäume sind uns in diesen Zeiten wohl lieber als Palmen und anderes exotisches Gewächs. Doch wenn wir uns das heutige Bild näher betrachten, würde man sich nicht wundern, warum die beiden Protagonisten Winterkleidung an einem Spätsommertag tragen? Natürlich unter der Annahme, der/die Betrachter*in wüsste das heutige Aufnahmedatum nicht. So bleibt uns auch dieses Jahr die leise Hoffnung, dass Väterlein Frost und Frau Holle uns doch noch nicht ganz vergessen haben, oder man blättert einfach zurück ins Jahr 2012 und träumt ein wenig von der weißen Pracht am Roten Berg.

BILD 34 – 13. Dezember 2014, 13 Uhr

#35: WOHLIG WARM IN KALTEN ZEITEN

Nichts ist so, wie es scheint. Weder der Gesang der Vögel, der mich beim heutigen Gipfelsturm begleitet, noch die extrem hohen Temperaturen können mich täuschen. Es ist Anfang Jänner. Tiefer Winter also und klirrend kalt. Und dennoch: das heutige, mittlerweile fünfunddreißigste Bild meines WIEN.13-Zyklus, zeigt eindeutig das Gegenteil. Das Trugbild einer verkehrten Welt überbrückt so den alltäglichen Überdruss am Gewöhnlichen, Gewohnten und Geregelten. Die Unlust am „grauen Alltag“ wird durch eine bunte Verkleidung übertüncht. Alles eine Frage der Perspektive. Und die kann sich ändern. Das ist nicht erschreckend. Das ist normal.

BILD 35 – 13. Jänner 2015, 13 Uhr

#36: IM MOMENT DES AUGENBLICKS

Ganze vierundzwanzig Projekttage mussten ins Land ziehen – also unvorstellbare zwei lange Jahre – um meinen Lieblingsplatz wieder im winterlichen Kleid vorzufinden. Stundenlang könnte ich heute am Gipfel des Roten Berges verweilen, um diese Pracht und Fernsicht aufzusaugen. Aber ich bin nicht alleine. Ein geheimnisvoller Fremder lehnt entspannt an seinem Spazierstock und erfreut sich sichtlich am herrlich ausgeleuchteten Stadtpanorama. Was ihm wohl durch den Sinn geht? Ich verharre still im Hintergrund und bleibe so außerhalb seiner Wahrnehmung. Sein „Sein“ und mein „Jetzt“ sind voneinander getrennt. Und dennoch verbindet uns der Moment eines besonderen Augenblicks.

BILD 36 – 13. Februar 2015, 13 Uhr

#37: THE FINAL CUT

Es ist immer wieder ein spannender und erhebender Moment, wenn eine Langzeitstudie um ein weiteres Teilstück bereichert werden kann. Auch heuer erzählen die zwölf Momentaufnahmen von WIEN.13 ihre ganz eigenen, teils intimen Geschichten. Auffallend ist der hohe „Grünanteil“ im Jahresverlauf. Ein Indiz für die Klimaumstellung? Oder einfach nur Zufall? Ich widme dieses Bild – den final Cut – all jenen Menschen, die an dieses Projekt glauben und mich mit ihrem Feedback ermutigen, an der Langzeitstudie weiter festzuhalten. Die Vorzeichen für eine 4. Staffel stehen somit gut.

BILD 37 – 13. März 2015, 13 Uhr